Was Stellenanzeigen verraten - Ausgabe 2
Diese Stelle kann kein Digitaler Mitarbeiter übernehmen
Ein Unternehmen der Energiewirtschaft mit gut 150 Beschäftigten sucht einen Manager Digitalisierung. Wir haben die Anzeige gelesen wie ein Organisationsdokument - diesmal fällt die Zählung anders aus.
Der Fall
Hier bleibt die Digitalisierung selbst liegen.
Die Stelle führt die Digitalisierung der Geschäftsprozesse, leitet den Rollout eines neuen ERP-Systems, plant Verbesserungen mit KI, berät die Fachbereiche und erstellt Auswertungen zu neuen Fragestellungen. Eine Stellenanzeige ist die öffentliche Antwort eines Unternehmens auf die Frage: Welche Arbeit bleibt bei uns liegen?
Die Anzeige beschreibt die Stelle in sechs Aufgaben. Darin stecken sieben unterscheidbare Tätigkeiten. Jede haben wir in eigene Worte gefasst und geprüft, wie gut ein Digitaler Mitarbeiter sie heute übernehmen könnte. Digitale Mitarbeiter erledigen Arbeitsschritte in Geschäftsprozessen selbst - über Schnittstellen, nicht am Bildschirm. Jeder Schritt wird protokolliert.
Selbstständig - der Digitale Mitarbeiter erledigt die Tätigkeit komplett, Menschen prüfen Ausnahmen.
Zum Großteil - er erledigt die Routine, Menschen entscheiden an festgelegten Punkten.
Vorbereitung - er stellt Unterlagen und Vorschläge zusammen, Menschen entscheiden.
Menschenarbeit - bleibt beim Menschen.
Die 7 Tätigkeiten
Selbstständig - keine Tätigkeit
Zum Großteil - 2 Tätigkeiten
Verbesserungsmöglichkeiten in den Abläufen erkennen
Misst, wo Zeit liegen bleibt, statt zu schätzen.
Daten auswerten, Berichte zu neuen Fragestellungen erstellen
Beschafft und bereitet auf. Die Fragestellung und die Deutung kommen vom Menschen.
Vorbereitung - 2 Tätigkeiten
Verbesserungen planen und priorisieren
Liefert Messwerte und Vorschläge. Die Reihenfolge entscheidet ein Mensch.
Fachbereiche bei ihren Prozessen beraten
Liefert die Faktenbasis. Das Gespräch führt ein Mensch.
Menschenarbeit - 3 Tätigkeiten
Die Digitalisierung der Geschäftsprozesse führen
Die Richtung bestimmen Menschen.
Den ERP-Rollout als internes Projekt leiten
Koordiniert Menschen, Termine, Lieferanten. Das ist Führungsarbeit.
Verbesserungen mit internen und externen Partnern umsetzen
Einführen ist Menschenarbeit. Der Digitale Mitarbeiter beginnt danach.
Keine Tätigkeit selbstständig. 2 zum Großteil. 2 als Vorbereitung. 3 bleiben Menschenarbeit.
Was das bedeutet
Die Stelle steht am Anfang der Kette.
Ein Digitaler Mitarbeiter übernimmt Vorgänge, nachdem ein Mensch sie ihm übertragen hat: erkannt, beschrieben, geregelt. Diese Anzeige sucht genau den Menschen, der das tut. Deshalb ist hier fast nichts delegierbar - die Stelle steht am Anfang der Kette, nicht in ihr. Wer Digitalisierung sucht, sucht einen Menschen. Die Maschine kommt danach.
Was die Anzeige trotzdem verrät, steht im Anforderungsprofil. Es bündelt vier Rollen: Projektleiter für den ERP-Rollout, Datenanalyst mit Datenbank- und Berichtswerkzeugen, Prozessberater für die Fachbereiche, Planer für Verbesserungen mit KI. Vier Profile in einer Person sind selten - und lange zu suchen. Delegierbar ist davon die Datenarbeit: Wer wiederkehrende Auswertungen an Digitale Mitarbeiter gibt, schreibt drei Rollen aus statt vier. Das Muster kennt diese Serie aus Ausgabe 1: Die Stelle wird kleiner und dadurch besetzbarer.
Ein Einwand gehört in diese Ausgabe. Die Anzeige versteht Digitalisierung als Einführung eines ERP-Systems. Ein ERP will bedient werden - es ist als Arbeitsplatz gebaut, mit Masken für Menschen. Wer die Bedienung später automatisieren will, rüstet häufig eine weitere Schicht nach: Roboter, die Masken klicken, genannt RPA. Die Organisation pflegt dann drei Ebenen - das System, die Roboter und die Ausnahmen, denn die Roboter brechen bei jeder Änderung der Oberfläche.
Es geht in anderer Reihenfolge: erst die Vorgänge beschreiben, dann entscheiden, wer sie erledigt. Digitale Mitarbeiter arbeiten nicht am Bildschirm, sondern über die Schnittstellen, die moderne Systeme mitbringen - auch das aus dieser Anzeige. Das ERP wechselt dabei die Rolle: vom Arbeitsplatz, der Menschen beschäftigt, zur Buchungsmaschine, die der Prozess anspricht. So gesehen ist der Rollout die beste Gelegenheit, die dieses Unternehmen bekommen wird: Die Prozesse liegen ohnehin auf dem Tisch. Die Frage ist nur, ob am Ende Menschen Masken bedienen - oder Vorgänge delegiert sind.
Was diese Analyse nicht weiß
Eine Anzeige beschreibt Tätigkeiten, keine Aufwände. Wie viel der Woche auf Auswertungen entfällt, wie viele Berichte wiederkehren, welche Systeme neben dem neuen ERP weiterlaufen - das steht dort nicht. Die vier Stufen sind eine Aussage über die Art der Arbeit, nicht über ihre Menge.
Wie viel Arbeitszeit tatsächlich delegierbar ist, zeigt erst die Messung im Unternehmen. Diese Trennung gehört zu jeder Ausgabe dieser Serie.
Wie sieht die Zählung bei Ihnen aus?
Ein Gespräch genügt für den Anfang. Wir sehen uns gemeinsam an, welche Arbeit sich eignet und wo Ihre Entscheidungen bleiben.
Erstgespräch anfragenQuelle: öffentliche Stellenanzeige, Juli 2026, für diese Analyse anonymisiert. Erstellt mit KI-Unterstützung, geprüft von Menschen. Ziel der Serie ist, dass ein Digitaler Mitarbeiter die Ausgaben vorbereitet - Anzeigen abrufen, Tätigkeiten zuordnen, Entwurf schreiben - und Menschen nur noch prüfen. Wir berichten, wenn es so weit ist. Alle Ausgaben der Serie